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Bericht über Musa Al Munaizel

 

 VISIONÄRER QUERDENKER

Foto: EVS / Martina Waiblinger

Musa Al Munaizel entwickelt Friedenspädagogik für die Schneller-Schulen

 
Der Pädagoge Musa Al Munaizel (links) mit dem Leiter der Kfz-Ausbildung Ibrahim Dagher.Munaizel ist Ökumenischer Mitarbeiter des EMS an der Theodor-Schneller-Schule (TSS) in Jordanien. Sein Schwerpunkt ist die Weiterentwicklung der Friedenserziehung.
Der Pädagoge Musa Al Munaizel (links) mit dem Leiter der Kfz-Ausbildung Ibrahim Dagher.Munaizel ist Ökumenischer Mitarbeiter des EMS an der Theodor-Schneller-Schule (TSS) in Jordanien. Sein Schwerpunkt ist die Weiterentwicklung der Friedenserziehung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Al Munaizel ist ein Querdenker mitüberzeugenden Ideen.

Diese sind an der TSS vielfach umgesetzt worden. Eine seiner Visionen ist eine speziell für die Schneller-Schulen im Libanon und Jordanien entwickelte Friedenspädagogik. Und diese ist wiederum Teil seiner Überzeugung, dass die Christen in diesen islamisch geprägten Ländern mit den anderen Religionen in Frieden und Freiheit zusammenleben. „Dazu gehört es“, sagt der Pädagoge, „jedem Radikalismus, Hass und Fundamentalismus durch gemeinsame Werte entgegenzutreten.“ Wichtig sind ihm Toleranz, Vertrauen, Gewaltfreiheit und Gerechtigkeit.

Zum Thema Gerechtigkeit fällt Musa Al Munaizel gleich ein Beispiel ein: Als er mit jordanischen und libanesischen Schülern beim Kirchentag in Bremen war, fanden sie es selbstverständlich, die heiß begehrten und knappen Brötchen untereinander gerecht zu verteilen. „Stabile Werte geben unseren Schülern Sicherheit, Orientierung und Geborgenheit“, betont er. Die christlichen und muslimischen Schüler der Schneller-Schulen, die aus sozial benachteiligten Familien kommen, haben diese Geborgenheit bitter nötig.

Vertrauen lernen dieSchüler zum Beispiel, wenn sie sich im frisch fertig gestellten Hochseilgarten der TSS abseilen, eines der Projekte, die zur Schneller-Friedenspädagogik gehören.

 

"Wo ein Mensch Hilfe braucht, versuche ich zu helfen"

Als Querdenker erwies sich Al Munaizel auch, als er an der TSS anregte, neben Erziehern auch Erzieherinnen zu beschäftigen.

Das war zunächst ein fremder Gedanke für die Mitarbeitenden. Aber mit Geduld und Beharrlichkeit hat er erreicht, dass inzwischen die Mehrheit der Erziehenden weiblich ist.

Nun ist geplant, auch Mädchen im Internat aufzunehmen. Niemand dürfe diskriminiert werden. Gerade auf diesem Gebiet hätten christliche soziale Einrichtungen in den muslimischen Ländern Vorreiter zu sein. Um dieses Ziel zu verwirklichen, nutzt er seine ausgeprägte Kontaktfähigkeit. Er steht in ständigem Kontakt mit den vielen Menschen, die er überall kennt. Sein ausgedehntes

Netzwerk kommt ihm auch zugute, wenn er, getreu seinem Motto: „Wo ein Mensch Hilfe braucht, versuche ich zu helfen“ jemanden

unterstützt. So konnte er zum Beispiel vor kurzem irakischen Flüchtlingen helfen.

Als Al Munaizel pädagogischer Berater an der TSS wurde, wurde der damals 44-Jährige mit jordanischer und deutscher taatsangehörigkeit zugleich als fremd und nicht fremd wahrgenommen. Er war im christlichen Dorf Al-Fuheis bei Amman ufgewachsen, hatte sich als junger Erzieher an der TSS sein Psychologiestudium in Amman finanziert und war 1983 zum Studium nach Deutschland gegangen.

In Würzburg und an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen wurde er Dozent für Sonderpädagogik, oft mit terkulturellem Ansatz. 2004 ging er dann zusammen mit seiner deutschen Frau und seinen drei Töchtern nach Amman. Obwohl sein Lebensweg für

seine jordanische Herkunftsfamilie sehr ungewöhnlich war, akzeptierte und unterstützte diese alle seine Entscheidungen.

„Bis heute lasse ich mich von niemandem fesseln“, sagt Al-Munaizel. Schmunzelnd und in seiner lebhaften Art erzählt er dazu die Anekdote, dass er der einzige Säugling gewesen sei, bei dem es der Hebamme nicht gelungen sei, ihn dem Brauch gemäß fest in weiße Tücher zu wickeln. Er habe einfach zuviel gestrampelt.

Respektvollund zugleich kritisch

Eigenwillig und kritisch ist Al Munaizel auch, wenn er das Gefühl hat, dass man sich in der Institution Kirche nur um sich selbst dreht. Dann sagt er sich: „Wir sind Kirche“ und bringt seine Ideen selbstbewusst ein. Das passt auch zu seinem Ansatz im Dialog mit dem Islam: „Wir müssen uns kritisch mit unserem eigenen Glauben auseinandersetzen, das Verbindende unserer beiden abrahamitischen Religionen sehen und zugleich respektvoll mit allem Trennenden umgehen.“

Würde er heute wieder in Deutschland arbeiten, würde er sich stärker im Nahostfriedensprozess und im interreligiösen Dialog engagieren, meint der Pädagoge.

„Und ich würde die deutschen Kirchen dazu auffordern, die christliche Minderheit im Nahen Osten viel stärker wahrzunehmen und zu unterstützen.“

Birte Petersen entnommen  aus der Zeitschrift Schneller Magazin über christliches Leben im Nahen Osten

 

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