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Pfarreiengemeinschaft Dürrbachtal  > Theologie

Liturgie für Kinder und Jugendliche

Dr. Stuflesser
Sagen Sie mal Herr Professor Stuflesser....

 

 

.…Kinder und Jugendliche können oft mit bestehenden liturgischen Formen, wie z.B. einer Eucharistiefeier nicht so viel anfangen und besuchen lieber zeitgemäß gestaltete Wortgottesdienste, in denen sie altersgemäß angesprochen werden und auf ihre Erfahrungswelt eingegangen wird. Wie können wir Kinder auch für den „normalen“ Sonntagsgottesdienst begeistern?

„Ich denke, wenn wir Kinder und Jugendliche zur Liturgie hinführen wollen, brauchen wir beides: Wir brauchen ein möglichst niedrigschwelliges, kind- und jugendgerechtes Angebot an freien Gottesdienstformen. Aber bei der Vorbereitung und Gestaltung dieser Gottesdienste wäre es wichtig, ein Ziel vor Augen zu haben. Wo will ich mit den Kindern und Jugendlichen hin?
Ich würde in dem oft zitierten Satz: „Man soll die Leute da abholen, wo sie stehen“ den Akzent immer auf das Wort: „abholen“ legen. „Abholen“ heisst dann: Ich möchte, dass Kinder und Jugendliche in die Liturgie hineinwachsen können. Und hierbei können solche freien Gottesdienstformen (Wort-Gottes-Feiern, Früh- und Spätschichten) einen wichtigen Dienst leisten. Kinder werden vertraut mit einem neuen, anderen und spannenden Umfeld (dem Kirchenraum), mit vielleicht ungewohnten Tätigkeiten (Singen, Zuhören) und mit Zeichen und Symbolen (Kerzen, Weihrauch, Farben) der Liturgie.

Was das Begeistern angeht für den normalen Sonntagsgottesdienst, so hängt hier sicher viel davon ab, wie die Erwachsenen den Gottesdienst feiern und für sich erleben. Denn: Wie sollen sich Kinder für etwas begeistern können, wenn Eltern selbst keine Begeisterung empfinden?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich in einer lebendig gefeierten Liturgie, wo es viel zu sehen, zu hören, zu riechen gibt (Stichwort: Weihrauch), auch Kinder durchaus wohl fühlen können. Ich habe erlebt, dass Kinder es durchaus spannend finden, wenn ihre Eltern in diesem Gottesdienst Aufgaben übernehmen, z.B. als Lektor, Kantor, Kommunionhelfer, etc., und im Mittelpunkt stehen. Ich glaube schon, dass Kinder merken: Dieser Gottesdienst am Sonntag, das ist zunächst einmal etwas für die Großen, für die Erwachsenen. Heute verstehe ich vielleicht noch nicht alles. Aber wenn ich einmal groß bin, dann werde ich auch richtig dabei sein.

Wenn ich als Ziel vor Augen habe, dass Kinder und Jugendliche in die normale Sonntagsliturgie (= Feier der Messe) hineinwachsen sollen, dann hat es aus meiner Sicht wenig Sinn, diese Sonntagsliturgie möglichst kindgemäß zu gestalten. Sondern es muss darum gehen, neben allen kindgerechten freien Gottesdienstformen, Kinder möglichst früh in den Gottesdienst der Gemeinde zu integrieren.“


…welchen Stellenwert haben Ihrer Meinung nach Andachten und Wortgottesdienste für Jugendliche und Kinder, die wir als Laien vorbereiten und anbieten? Bewegen wir uns da rein kirchenrechtlich nicht immer auf dünnem Eis?

„Zunächst: Keine Sorge! Kirchenrechtlich ist da alles im grünen Bereich! So deutlich in der eigentlichen Feier der Liturgie, etwa in der sonntäglichen Eucharistiefeier, Dinge genau reglementiert und festgelegt sind, so frei sind niedrigschwellige Gottesdienstformen. Ich halte diese für wichtig, weil sie im Idealfall Kinder und Jugendliche - aber auch kirchenferne Erwachsene, die wir leider viel zu oft völlig aus den Augen verlieren - hinführen können zur eigentlichen Feier der Liturgie.

Kritisch sehe ich durchaus spezielle Kinder- und Familiengottesdienste im Rahmen der Sonntagsmesse. Denn müsste nicht jeder sonntägliche Gottesdienst, wenn wir ihn als die wichtigste Versammlung unserer Gemeinde ernst nehmen, ein Kinder- und Familiengottesdienst sein? Genauso, wie übrigens jeder Sonntagsgottesdienst ein Seniorengottesdienst sein muss, ein Ehepaargottesdienst, ein Gottesdienst für Singles, für Trauernde, Fröhliche, Alleingelassene. Kurzum: Müssten nicht alle Gruppen unserer Gemeinde von 8-88 Jahren, wie es so schön auf den Verpackungen von Spielen heißt, in unserem Gottesdienst vorkommen?

Was nützt es also, wenn wir einmal im Vierteljahr mit viel Aufwand und Liebe einen Familiengottesdienst vorbereiten, der dann zumeist auch gut besucht ist, aber schon am Sonntag darauf ist von den Kindern und deren Eltern, die gerade noch im Mittelpunkt unseres Interesses standen, niemand mehr zu sehen?
Schon in meiner Jugend hat man versucht mit Geschichten von „Swimmy dem Fisch“, mit kleinen Theaterstücken, speziellen Kinderliedern, usw. die Kinder für die Liturgie zu begeistern. Fakt ist aber leider: Schon in meiner Generation kommen von all den Kindern, die damals an den Kinder- und Familiengottesdiensten beteiligt waren, kaum noch welche als Erwachsene zur Kirche. Wäre es daher nicht an der Zeit einmal kritisch zu überprüfen, ob dies der richtige Weg ist? Sinnvoller finde ich, Kinder so früh wie möglich in den Gottesdienst der Erwachsenen zu integrieren, sie ernst zu nehmen, ihnen im Gottesdienst auch schon ganz früh Verantwortung zu übertragen.

Eine schöne, sinnvolle Form ist etwa die Kinderkirche, wie sie bei uns praktiziert wird. Eines der bewegendsten Bilder, das ich immer noch im Gedächtnis habe, ist, wie sich am Karfreitag die Kinder der Kinderkirche in die Kreuzverehrung der Erwachsenen eingereiht haben, wie sie ihre Blumen nach vorne zum Kreuz brachten, still, ernst, aufmerksam. Ich hatte das Gefühl, diese Kinder haben ganz genau kapiert, worum es in diesem Moment geht.

Im Liturgieausschuss haben wir angeregt, dass Kinder auch schon vor der Erstkommunion Messdiener/-in werden können. Es spricht ja nichts dagegen, dass Kinder diesen wichtigen liturgischen Dienst schon möglichst früh ausüben. Es ist wichtig, dass wir als Gemeinde den Messdienern aber auch immer wieder das Gefühl vermitteln, wie wichtig uns dieser Dienst ist.

Was spricht zudem dagegen, dass auch Kinder im Grundschulalter, sobald sie lesen können, eine Fürbitte vortragen oder gar eine Lesung? Schließlich, was ist schlimm daran, wenn ein kleines Kind einmal durch den Kirchenraum wandert und von seinen Eltern „eingefangen“ werden muss? Was stört es uns, wenn die ganz Kleinen auch einmal weinen und plärren. Sie alle sind Teil unserer Gemeinde, sie sind von Herzen willkommen zu unserem Gottesdienst am Sonntag.
Ich glaube, wenn wir Kinder so in die eigentliche Liturgie integrieren, indem wir ihnen das Gefühl geben, dass diese Liturgie etwas ist, was für uns als Erwachsene, für unser Leben ungeheuer wichtig ist, dann wird dies nicht ohne Wirkung bleiben. Dann brauchen wir auch keine neuen, erfundenen Rituale, wie z.B. Halloween, die einfach nicht die Kraft und die Power haben, wie die Liturgie selbst. Sondern dann spricht die Liturgie zu den Menschen – zu den ganz kleinen und zu den großen.“

Die Fragen stellte Susan Heer


Wenn auch Sie Fragen zum Thema Liturgie an Prof. Martin Stuflesser haben oder gerne mal einen Leserbrief zu diesem Thema schreiben möchten, können sie dies gerne an unsere Email-Adresse pfarrbrief.duerrbachtal@t-online.de senden oder im Pfarrbüro Unterdürrbach abgeben.