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Pfarreiengemeinschaft Dürrbachtal  > Theologie

Pfingsten

Ausführungen von Prof. Dr. Martin Stuflesser

  

Alles andere als langweilig: Pfingsten und die Zeit im Jahreskreis

 

Ausgiessung des Heiliger Geist zu Pfingsten

Ausgiessung des Heiligen Geistes zu Pfingsten

 

Mit dem Pfingstfest schließt die Osterzeit: Die ganze Osterzeit heißt auch Pentekoste nach dem griech. Wort für 50, denn genau 50 Tage feiern wir Ostern. Und auch Pfingsten als der 50. Tag nach der Osterfeier heißt Pentekoste. Es handelt sich, wenn man genau zählt, um den 8. Sonntag der Osterzeit. Wir könnten auch sagen, es ist so etwas wie der Oktav-Oktav-Tag von Ostern. Pfingsten ist der große 8. Tag der nach 7 x 7 Tagen die heilige Siebenzahl würdig abschließt. Auch die Sendung des Hl. Geistes, die an Pfingsten liturgisch begangen wird, gehört ja zum Osterereignis. Sie wird nicht isoliert gefeiert, von Ostern losgelöst, und hat deshalb nach der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils auch keinen eigenen Festkreis mehr, was ja auch keinen Sinn haben würde.

Bereits in der Zeit der frühen Kirche wurde der 50. Tag nach Ostern besonders begangen: Pfingsten war der Tauftag für all diejenigen, die an Ostern selber nicht zur Taufe kommen konnten. Nicht zuletzt diese Verbindung von Pfingsten und Taufe führt dazu, dass der Pfingstsonntag dem Osterfest mehr und mehr gleichgestaltet wurde. So erhielt Pfingsten im Laufe der Liturgiegeschichte eine eigene Vorbereitungszeit nach Christi Himmelfahrt (die Pfingstnovene), es gab eine eigene Vigilfeier in der Nacht und sogar eine 8-tägige Festzeit nach Pfingsten, die sogenannte Pfingstoktav, mit der die Zeit der Sonntage nach Pfingsten (heute: Sonntage im Jahreskreis) begann. So bildete sich nach und nach neben Ostern und Weihnachten ein dritter großer Festkreis im Kirchenjahr heraus.

Im Gegensatz hierzu hat die Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils Pfingsten wieder auf den eigentlichen Ursprung des Festes reduziert: Pfingsten ist ein österliches Fest. So heißt es schon im Evangelium der Vorabendmesse: „Am letzten Tag des großen Festes“ (Joh 7,37). Noch deutlicher wird der Zusammenhang mit Ostern im Evangelium des Pfingstsonntags herausgestellt. Hier hören wir ein Evangelium, das eine österliche Erscheinung des Auferstandenen beschreibt. Der auferstandene Herr schenkt gemäß dem Johannesevangelium den heiligen Geist noch am Ostertag selbst seinen Jüngern: „Am Abend des ersten Tages der Woche (…) sprach er zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!“ (Joh 20,19.22).

Verstehen wir Pfingsten demnach von Ostern her, so wird deutlich, dass das Pfingstfest streng genommen überhaupt keine Oktav haben kann, keine liturgische Pfingstwoche, die dann irgendwie „nachklappert“. Denn das Pfingstfest ist ja selbst der große Oktavtag. Insofern ist es auch bedeutsam, dass wir in unserem Gottesdienst Pfingsten als den Abschluss der Osterfeier begehen, denn in der Präfation von Pfingstfest heißt es: „Du hast das österliche Heilswerk am Pfingsttag vollendet.“

So zeichnet sich das Pfingstfest auch durch einige liturgische Besonderheiten aus: Es hat eine eigene Sequenz, einen Gesang, der die vielfältigen Gaben des Hl. Geistes preist und flehentlich um sie bittet. Nur am Pfingstfest wird beim Ruf vor dem Evangelium, dem österlichen Halleluja, gekniet, weil die Gemeinde im Halleluja-Vers ganz demütig um das Kommen des Heiligen Geistes fleht. Schließlich wird nach dem Pfingstgottesdiensten die Osterkerze vom Altarraum in einer festlichen Prozession zum Taufbrunnen gebracht.

Von dieser beschriebenen Bedeutung des Pfingstfestes her ist es nachvollziehbar, dass der Pfingstmontag liturgisch ein eher problematischer Tag ist. Der Pfingstmontag ist nur in Deutschland und einigen Schweizer Kantonen ein gesetzlicher Feiertag. In der nachkonziliaren Reform meinten die Bischöfe des deutschen Sprachgebietes, auf diesen Tag nicht als Gottesdiensttag verzichten zu können. Jedoch ist zu sagen, dass es eine liturgische Feier des 51. Tages nach Ostern schlicht nicht gibt. Ein Kompromiss könnte sein, den Montag nach Pfingsten mit dem Sonntag zusammen gewissermaßen als einen doppelten Schlusspunkt der Osterzeit anzusehen. Allerdings ist dabei im Blick zu behalten, dass in der gesamten Weltkirche dieser 51. Tag ein ganz normaler Werktag ist, an die meisten Christen schlicht arbeiten müssen, und mit ihm die Zeit im Jahreskreis beginnt. Insofern ist es sicher sinnvoll, an diesem Tag keine besonders festliche Eucharistie zu feiern, die für die eigene Gemeinde gar verpflichtend vorgeschrieben ist, sondern neben den werktäglichen Eucharistiefeiern auch Raum zu bieten für ökumenische Gottesdienste.

Mit dem Montag nach Pfingsten beginnt die sogenannte Zeit im Jahreskreis. In der Mitte des liturgischen Jahres steht die Feier des sogenannten Pascha-Mysteriums: Die Feier von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi. Wir kommen als Gemeinde wöchentlich am Sonntag zusammen und feiern dieses Geheimnis unseres Glaubens, wenn wir bekennen: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir bis du kommst in Herrlichkeit.“

 In diese Struktur des liturgischen Jahres sind die zwei großen Festkreise eingewoben: Der Osterfestkreis mit der Vorbereitungszeit der österlichen Bußzeit und der Weihnachtsfestkreis mit der Vorbereitungszeit des Advent. Neben diesen beiden großen Festkreisen bleiben je nach Kalender 33 bzw. 34 Wochen im Jahr übrig, die also nicht durch einen besonderen Gesichtspunkt des Christusgeheimnisses geprägt sind. Wir können sagen, dass diese Wochen und damit auch die Sonntage, die diese Wochen strukturieren, einen eigenen Zyklus bilden, die sogenannte: „Zeit im Jahreskreis“.

Nach der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils beginnt die Zeit im Jahreskreis am Montag nach dem Fest der Taufe des Herrn, im Januar also, und läuft fort bis zum Aschermittwoch. Sie wird dann unterbrochen von der österlichen Bußzeit und der Osterzeit. Die Zeit im Jahreskreis wird dann fortgesetzt am Montag nach Pfingsten und dauert bis zum Vorabend des 1. Advent. Die Zählung der Sonntage, die nach dem Sonntag vor dem Aschermittwoch abbricht, wird dann einfach am Pfingstmontag weitergeführt.

Die Sonntage im Jahreskreis sind dabei nicht einfach die „langweiligen“ Sonntage, die „normale“ Zeit des Kirchenjahrs, oder die „grünen“ Sonntage, als die sie oftmals eher scherzhaft bezeichnet werden. Jeder dieser Sonntage hat ganz eigene Gebete, Lesungen und Gesänge. Allerdings ist bedeutsam, dass an diesen Sonntagen im Jahreskreis das Christusgeheimnis eher als Ganzes gefeiert wird.

In diese Zeit im Jahreskreis werden dann die Gedächtnistage der Märtyrer und anderer Heiligen eingefügt, weil, wie die Liturgiekonstitution des Konzils betont, in diesen Feiern „die Kirche das Pascha-Mysterium in den Heiligen, die mit Christus gelitten haben und mit ihm verherrlicht sind“ verkündet (SC 104). Jedoch hat das sogenannte Herrenjahr, also die Herrenfeste und die Zeit im Jahreskreis, immer Vorrang vor allen Heiligenfesten.

Pfingsten in Heilig Geist
Pfingsten in Heilig Geist
Der Sonntag ist der Feiertag der christlichen Gemeinde. Der Sonntag ist der Tag, an dem wir die Eucharistie feiern. Der Sonntag ist der Tag, an dem wir Zeugnis geben für die Zukunft, die Gott mit allen Menschen hat. Deshalb ist der Sonntag eben unaufgebbar und er kann nicht einfach gegen einen anderen Tag der Woche ausgetauscht werden.

       
So versammeln auch wir uns in unserer Gemeinde Hl. Geist jeden Sonntag. Denn nur so wird deutlich, dass wir eine Gemeinde sind, dass wir wirklich Kirche am Ort sind. Nur wenn wir zusammenkommen am Sonntag, ist es uns möglich, dass wir in der Feier des Wortes und in der Feier der Eucharistie bedenken, wo wir herkommen und gemeinsam unsere Zukunft feiern. In der Feier des Sonntags dürfen wir in der Gemeinschaft mit Jesus Christus, dem auferstandenen Herrn, Gott, dem Vater, im Heiligen Geist Dank sagen und ihn preisen. Deshalb ist wirklich jeder Sonntag ein kleines Osterfest, das festlich begangen werden soll, damit der Sonntag so uns selbst zu einem Tag der Freude und der Muße werden kann.