PfingstenAusführungen von Prof. Dr. Martin Stuflesser Alles andere als langweilig: Pfingsten und
die Zeit im Jahreskreis
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| © Walter Bötsch |
| Ausgiessung des Heiligen Geistes zu Pfingsten |
Mit dem
Pfingstfest schließt die Osterzeit: Die ganze Osterzeit heißt auch Pentekoste nach
dem griech. Wort für 50, denn genau 50 Tage feiern wir Ostern. Und auch
Pfingsten als der 50. Tag nach der Osterfeier heißt Pentekoste. Es handelt
sich, wenn man genau zählt, um den 8. Sonntag der Osterzeit. Wir könnten auch
sagen, es ist so etwas wie der Oktav-Oktav-Tag von Ostern. Pfingsten ist der
große 8. Tag der nach 7 x 7 Tagen die heilige Siebenzahl würdig abschließt.
Auch die Sendung des Hl. Geistes, die an Pfingsten liturgisch begangen wird,
gehört ja zum Osterereignis. Sie wird nicht isoliert gefeiert, von Ostern
losgelöst, und hat deshalb nach der Liturgiereform des II. Vatikanischen
Konzils auch keinen eigenen Festkreis mehr, was ja auch keinen Sinn haben
würde.
Bereits in der Zeit der frühen
Kirche wurde der 50. Tag nach Ostern besonders begangen: Pfingsten war der
Tauftag für all diejenigen, die an Ostern selber nicht zur Taufe kommen
konnten. Nicht zuletzt diese Verbindung von Pfingsten und Taufe führt dazu,
dass der Pfingstsonntag dem Osterfest mehr und mehr gleichgestaltet wurde. So erhielt
Pfingsten im Laufe der Liturgiegeschichte eine eigene Vorbereitungszeit nach
Christi Himmelfahrt (die Pfingstnovene), es gab eine eigene Vigilfeier in der
Nacht und sogar eine 8-tägige Festzeit nach Pfingsten, die sogenannte
Pfingstoktav, mit der die Zeit der Sonntage nach Pfingsten (heute: Sonntage im
Jahreskreis) begann. So bildete sich nach und nach neben Ostern und Weihnachten
ein dritter großer Festkreis im Kirchenjahr heraus.
Im Gegensatz hierzu hat die
Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils Pfingsten wieder auf den
eigentlichen Ursprung des Festes reduziert: Pfingsten ist ein österliches Fest.
So heißt es schon im Evangelium der Vorabendmesse: „Am letzten Tag des großen
Festes“ (Joh 7,37). Noch deutlicher wird der Zusammenhang mit Ostern im
Evangelium des Pfingstsonntags herausgestellt. Hier hören wir ein Evangelium,
das eine österliche Erscheinung des Auferstandenen beschreibt. Der
auferstandene Herr schenkt gemäß dem Johannesevangelium den heiligen Geist noch
am Ostertag selbst seinen Jüngern: „Am Abend des ersten Tages der Woche (…)
sprach er zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!“ (Joh 20,19.22).
Verstehen wir Pfingsten demnach
von Ostern her, so wird deutlich, dass das Pfingstfest streng genommen
überhaupt keine Oktav haben kann, keine liturgische Pfingstwoche, die dann
irgendwie „nachklappert“. Denn das Pfingstfest ist ja selbst der große
Oktavtag. Insofern ist es auch bedeutsam, dass wir in unserem Gottesdienst
Pfingsten als den Abschluss der Osterfeier begehen, denn in der Präfation von
Pfingstfest heißt es: „Du hast das österliche Heilswerk am Pfingsttag
vollendet.“
So zeichnet sich das Pfingstfest
auch durch einige liturgische Besonderheiten aus: Es hat eine eigene Sequenz,
einen Gesang, der die vielfältigen Gaben des Hl. Geistes preist und flehentlich
um sie bittet. Nur am Pfingstfest wird beim Ruf vor dem Evangelium, dem
österlichen Halleluja, gekniet, weil die Gemeinde im Halleluja-Vers ganz
demütig um das Kommen des Heiligen Geistes fleht. Schließlich wird nach dem
Pfingstgottesdiensten die Osterkerze vom Altarraum in einer festlichen
Prozession zum Taufbrunnen gebracht.
Von dieser beschriebenen Bedeutung
des Pfingstfestes her ist es nachvollziehbar, dass der Pfingstmontag liturgisch
ein eher problematischer Tag ist. Der Pfingstmontag ist nur in Deutschland und
einigen Schweizer Kantonen ein gesetzlicher Feiertag. In der nachkonziliaren
Reform meinten die Bischöfe des deutschen Sprachgebietes, auf diesen Tag nicht
als Gottesdiensttag verzichten zu können. Jedoch ist zu sagen, dass es eine
liturgische Feier des 51. Tages nach Ostern schlicht nicht gibt. Ein Kompromiss
könnte sein, den Montag nach Pfingsten mit dem Sonntag zusammen gewissermaßen
als einen doppelten Schlusspunkt der Osterzeit anzusehen. Allerdings ist dabei
im Blick zu behalten, dass in der gesamten Weltkirche dieser 51. Tag ein ganz
normaler Werktag ist, an die meisten Christen schlicht arbeiten müssen, und mit
ihm die Zeit im Jahreskreis beginnt. Insofern ist es sicher sinnvoll, an diesem
Tag keine besonders festliche Eucharistie zu feiern, die für die eigene
Gemeinde gar verpflichtend vorgeschrieben ist, sondern neben den werktäglichen
Eucharistiefeiern auch Raum zu bieten für ökumenische Gottesdienste.
Mit dem Montag nach Pfingsten
beginnt die sogenannte Zeit im Jahreskreis. In der Mitte des liturgischen
Jahres steht die Feier des sogenannten Pascha-Mysteriums: Die Feier von Leiden,
Tod und Auferstehung Jesu Christi. Wir kommen als Gemeinde wöchentlich am
Sonntag zusammen und feiern dieses Geheimnis unseres Glaubens, wenn wir
bekennen: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir
bis du kommst in Herrlichkeit.“
In diese Struktur des liturgischen Jahres sind
die zwei großen Festkreise eingewoben: Der Osterfestkreis mit der
Vorbereitungszeit der österlichen Bußzeit und der Weihnachtsfestkreis mit der
Vorbereitungszeit des Advent. Neben diesen beiden großen Festkreisen bleiben je
nach Kalender 33 bzw. 34 Wochen im Jahr übrig, die also nicht durch einen
besonderen Gesichtspunkt des Christusgeheimnisses geprägt sind. Wir können
sagen, dass diese Wochen und damit auch die Sonntage, die diese Wochen
strukturieren, einen eigenen Zyklus bilden, die sogenannte: „Zeit im
Jahreskreis“.
Nach der Liturgiereform des II.
Vatikanischen Konzils beginnt die Zeit im Jahreskreis am Montag nach dem Fest
der Taufe des Herrn, im Januar also, und läuft fort bis zum Aschermittwoch. Sie
wird dann unterbrochen von der österlichen Bußzeit und der Osterzeit. Die Zeit
im Jahreskreis wird dann fortgesetzt am Montag nach Pfingsten und dauert bis
zum Vorabend des 1. Advent. Die Zählung der Sonntage, die nach dem Sonntag vor
dem Aschermittwoch abbricht, wird dann einfach am Pfingstmontag weitergeführt.
Die Sonntage im Jahreskreis sind
dabei nicht einfach die „langweiligen“ Sonntage, die „normale“ Zeit des
Kirchenjahrs, oder die „grünen“ Sonntage, als die sie oftmals eher scherzhaft
bezeichnet werden. Jeder dieser Sonntage hat ganz eigene Gebete, Lesungen und
Gesänge. Allerdings ist bedeutsam, dass an diesen Sonntagen im Jahreskreis das
Christusgeheimnis eher als Ganzes gefeiert wird.
In diese Zeit im Jahreskreis
werden dann die Gedächtnistage der Märtyrer und anderer Heiligen eingefügt,
weil, wie die Liturgiekonstitution des Konzils betont, in diesen Feiern „die
Kirche das Pascha-Mysterium in den Heiligen, die mit Christus gelitten haben
und mit ihm verherrlicht sind“ verkündet (SC 104). Jedoch hat das sogenannte
Herrenjahr, also die Herrenfeste und die Zeit im Jahreskreis, immer Vorrang vor
allen Heiligenfesten.
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| © Walter Bötsch |
| Pfingsten in Heilig Geist |
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Der Sonntag ist der Feiertag der
christlichen Gemeinde. Der Sonntag ist der Tag, an dem wir die Eucharistie
feiern. Der Sonntag ist der Tag, an dem wir Zeugnis geben für die Zukunft, die
Gott mit allen Menschen hat. Deshalb ist der Sonntag eben unaufgebbar und er
kann nicht einfach gegen einen anderen Tag der Woche ausgetauscht werden.
So versammeln auch wir uns in
unserer Gemeinde Hl. Geist jeden Sonntag. Denn nur so wird deutlich, dass wir
eine Gemeinde sind, dass wir wirklich Kirche am Ort sind. Nur wenn wir
zusammenkommen am Sonntag, ist es uns möglich, dass wir in der Feier des Wortes
und in der Feier der Eucharistie bedenken, wo wir herkommen und gemeinsam
unsere Zukunft feiern. In der Feier des Sonntags dürfen wir in der Gemeinschaft
mit Jesus Christus, dem auferstandenen Herrn, Gott, dem Vater, im Heiligen
Geist Dank sagen und ihn preisen. Deshalb ist wirklich jeder Sonntag ein
kleines Osterfest, das festlich begangen werden soll, damit der Sonntag so uns
selbst zu einem Tag der Freude und der Muße werden kann.
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