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Pfarreiengemeinschaft Dürrbachtal  > Predigten

Predigten 2012

 

OStRA Achim Wenzel  in Unterduerrbach

 

Predigt zur Gebetswoche

für die Einheit der Christen

22. Januar 2012

Joh 19, 23-24

 

„Und führe zusammen, was getrennt ist“ – unter diesem Motto lädt in diesem Jahr vom 13.April bis zum 13.Mai das Bistum Trier zur sog. Heiligrockwallfahrt in den Dom nach Trier ein. Das besondere an dieser Einladung ist zum einen das 500-jährige Jubiläum dieser traditionsreichen Wallfahrt, zum andern ist es aber auch zum ersten Mal eine ökumenische Wallfahrt. In der Einladung dazu heißt es: „Uns bedrücken wachsende Spannungen innerhalb unserer Kirche und die andauernde Spaltung der Christenheit. Vor seinem Sterben hat Jesus inständig um die Einheit derer gebetet, die durch Glauben und Taufe zu ihm gehören. Wir vertrauen fest darauf, dass Jesus Christus auch in unseren Tagen erlösend und heilend am Werk ist, dass er uns Wege zur Einheit weist. Darum wenden wir uns ihm zu und laden viele Menschen ein, es mit uns gemeinsam zu tun.“ Anlass für diese Wallfahrt ist eine uralte Textilie aus der Frühzeit des Christentums, der sog. Hl. Rock. Diesen soll die Kaiserin Helena Anfang des 4.Jhd. nach Trier gebracht haben. Der Legende nach soll es das Gewand Jesu sein, dass er bei seiner Kreuzigung am Leib getragen hat und das die Soldaten nicht zerteilt haben, sondern sie losten darum, wem es gehören sollte. Dieses Kleid, ein einziges Stück Tuch, steht seit jeher als Symbol für den einen Christus, der unzerteilbar ist und wird damit zu einem starken Symbol für die Ökumene, für die Einheit der Christen, um die wir jedes Jahr in der Weltgebetsoktav vom 18.bis 25.Januar besonders beten. Freilich, was die Soldaten damals nicht fertig brachten, ist im Laufe der Geschichte der Kirche doch geschehen: In viele Teilkirchen und Konfessionen ist das Gewand Christi inzwischen zerteilt. Wie bringen wir das wieder zusammen ? Ökumene tut gerade in unserer Zeit not. Die Kirchen haben nur dann eine Zukunft, wenn sie den Weg der Einheit gehen. Gemessen an den Hoffnungen, die das Zweite Vatikanische Konzil mit seinem Ökumenismusdekret geweckt hat, resignieren heute manche in der Kirche. Ich jedoch sehe, dass es langsam und schrittweise vorangeht. Dazu gehört für mich die gemeinsame Unterschrift unter die sog. Rechtfertigungslehre und die ökumenischen Kirchentage in Berlin und München. Dazu gehört der gemeinsame ökumenische Weg geistlicher Bewegungen in beiden Kirchen, die in den Jahren 2003 und 2007 in Stuttgart einen Pakt der gegenseitigen Liebe geschlossen haben. Der selige Papst Johannes Paul II. sagte einmal: „An Christus glauben bedeutet, die Einheit wollen. Die Einheit wollen, heißt die Kirche wollen.“ Sein Nachfolger Benedikt XVI. bekräftige die klare Verpflichtung der katholischen Kirche, die Einheit unter allen Christen zu suchen und zu fördern. Beten wir heute mit Jesus für diese Einheit. Er trägt unser Gebet zum Vater. Stellen wir uns in Seine Worte hinein: „Vater, ich bitte dich, lass sie eins sein, wie Du eins bist in mir und ich in dir, so lass sie in uns eins sein, damit die Welt glaube.“

Auf dem berühmten Kreuzigungsbild von Mathias Grünewald stehen Johannes der Täufer und Maria zu beiden Seiten Jesu und neigen sich ihm zu. Wenn sic beide Jesus zuneigen, dann wenden sie sich auch einander zu. Das gilt auch für uns in unseren ökumenischen Bemühungen. Wir müssen nicht sofort auf die Seite des anderen treten, um mit ihm verbunden zu sein. Es genügt, wenn wir uns gemeinsam Jesus zuwenden. Einheit ist daher nicht Vereinheitlichung und Gleichmacherei. Einheit ist vielgestaltig. Jede christliche Tradition wendet sich auf ihre Weise Jesus zu. Und doch ist Er es, der uns miteinander verbindet. Wenn wir als Christen und Christinnen auf Ihn schauen, dann verlieren wir uns gegenseitig nicht aus dem Blick.