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Pfarreiengemeinschaft Dürrbachtal  > Predigten
Pfingstsonntag in Heilig Geist

Predigt am Pfingstsonntag

Prof. Stuflesser Pfingstpredigt

in Heilig Geist

am 12.6.2011

 
 
von Prof. Dr. Martin Stuflesser
 
 
 
 
 
 

 

 

Lesejahr: A 
Schrifttexte:Apg 2,1-111 Kor 12,3b-13Joh 20,19-23
 

 

     
Liebe Schwestern und Brüder!

Ich sage es Ihnen ganz ehrlich, ich mag keine Pfingstpredigten! Das mag Sie vielleicht erstaunen, aber die meisten Predigten zu Pfingsten sind banal, und am allerschlimmsten sind die Wortwitze!

Welcher Prediger findet die meisten zusammengesetzten Wörter mit „Geist“: geist-reiche, geist-lose, geist-irgendetwas Pfingsten? Es geht mir schon seit Jahren auf welchselbigen!

Zugegeben: Das Thema ist ja auch kein Einfaches. Es fällt so viel leichter über Gott, den Schöpfer, zu predigen, um wieviel einfacher erst über Jesus Christus, den Sohn, in dem Gott zu unserem Heil gehandelt hat.

Aber: Gott ist Geist!?

Wie predigt man über jemand oder etwas (?), das man nicht sieht, nicht messen, riechen, wiegen, schmecken kann?

Gott ist Geist, das erschließt sich nur, wie die berühmte naturwissenschaftliche Blackbox:

Vorne kippt man diese oder jene Chemikalie rein, dann reagiert da irgendetwas miteinander, und am Ende erhält man ein überraschendes neues Produkt. Das Wesentliche passiert indes in der Blackbox! Unsichtbar! Nicht messbar!

Und vielleicht ist das Bild auch für uns heute morgen ganz zutreffend: Was bedeutet das: Gott ist Heiliger Geist!

Denn auch die Zeit von Karfreitag bis Pfingsten ist solch eine Blackbox.

Am Karfreitag, als ihr Herr, auf den sie all ihre Hoffnung gerichtet hatten, so schmählich am Kreuz stirbt, da rennen die Jünger alle davon. In Panik, in Verzweiflung – komplett demotiviert, denn mit dem Tod Jesu erscheint zunächst alles aus und vorbei!

Ist es wirklich?

Nur drei Tage später, als sie sich ängstlich, von der bedrohlichen Umwelt abgeschottet, wieder treffen, erleben sie Erstaunliches. Selbst die dicken Türen und Riegel, sie vermögen es nicht zu verhindern, dass sie den Auferstandenen als lebendig erfahren.

Die Jünger werden die Erfahrung kaum einordnen können. Sie werden sicher erst einmal nicht so recht verstanden haben, wie ihnen geschah.

Und dies ist ja genau unsere Versuchung: Dass wir, die wir alles mit dem Abstand von knapp 2000 Jahren betrachten, die enormen Umwälzungen und Umbrüche, die hier passieren, nicht ernst nehmen. Als ob das alles für die Jünger so klar gewesen wäre. Mitnichten!

Denn dieser Auferstandene, der ihnen erschienen ist, er schickt sie erst einmal zurück. Zurück in den ganz normalen Job, als Fischer etwa, zurück nach Galliläa.

Ohne zuviel in die biblischen Texte hinein psychologisieren zu wollen: Die Zeit wird für die Jünger nicht einfach gewesen sein.

Sie werden zurück geblickt haben auf die Zeit, als sie mit Jesus durch die Lande gezogen sind, als sie auf seine faszinierende Predigt vom Gottesreich hin wirklich alles haben stehen und liegen lassen.

Auch die schmerzlichen, aufwühlenden Tage in Jerusalem werden wieder vor ihrem geistigen Auge hoch gekommen sein: der Verrat durch Judas, die Verhaftung, der Prozess, Pontius Pilatus, die Verurteilung, die Kreuzigung und schließlich sein Tod.

Nein, so einfach werden sie nicht zur Tagesordnung übergegangen sein.

Aber das eigentlich Erstaunliche ist: Gerade in ihrer alten Umgebung, in ihren alten Berufen, erfahren sie ganz und gar Neues. Denn: auch in Galliläa begegnet ihnen der Auferstandene.

Sie werden zusammen gesessen haben, sie werden sich ausgetauscht haben. Sie werden in der Heiligen Schrift gelesen haben, im Bemühen, zu verstehen! Und langsam erst begreifen sie, was genau hier passiert ist.

So kehren sie nach Jerusalem zurück – denn, wir vergessen das oft, die Jünger sind zunächst einmal fromme Juden. Und 50 Tage nach dem Pessachfest steht ein weiterer großer jüdischer Festtag an, verbunden mit einer Wallfahrt in die Heilige Stadt.

Schawuot – das Fest, das die Juden erinnert an den Empfang der 10-Gebote am Sinai, an den Bund Gottes mit seinem Volk Israel.

50 Tage nach Ostern! 50 lange Tage später – griech: pentekost hemera; und davon abgeleitet auf deutsch: Pfingsten.

Und dann passiert es: Ein Brausen, ein Sturm, wie Feuer! Man spürt förmlich, wie der Evangelist Lukas um Worte ringt, um das Unbeschreibliche doch irgendwie in Worte zu fassen.

Und in unserem kleinen heilsgeschichtlichen Versuchsaufbau geschieht Unerhörtes:

Vorher: demotiviert, ängstlich, eingeschlossen, fassungslos.

Dann: die Blackbox: Sturm, Brausen, Feuerzungen!

Danach: Sie gehen hinaus! Hinaus in die Welt!

Ja, sie gehen hinaus: Zu den Menschen, auf die Straßen Jerusalems, das wegen des Wallfahrtsfestes Schawuot ungefährt so rappelvoll gewesen sein dürfte wie hier bei uns in Würzburg zu Kiliani. Alles voller Wallfahrer!

Und mitten rein in die Menge: ein Petrus, der auf einmal das Zeug zum Prediger hat und nun furchtlos verkündigt:

Jesus, der Herr, lebt! Er ist auferstanden!

Ja, sie gehen noch viel weiter hinaus! Ein Paulus wird zum Apostel der Völker und sucht rast- und ruhelos alle Orte der damals bekannten Welt aus, um Gemeinden zu gründen.

Ein Petrus, zuvor ein Haudrauf, der häufig genug wenig genug versteht, der Jesus sogar verrät, er wird hinaus gehen bis nach Rom, um dort Zeugnis abzulegen für genaus diesen Jesus! Für Jesus, von dem er weiß: Er lebt!

Liebe Schwestern und Brüder, es stimmt schon, das mit dem Gottesgeist ist schwierig in Worte zu packen. Wir können eigentlich nur den Unterschied beschreiben, zwischen dem Davor und dem Danach! Dazwischen ist die Blackbox, wo Unbegreifliches geschieht!

Aber, ganz ehrlich, das sollte uns nicht schrecken.

Bis heute kann Ihnen kein Apotheker der Welt chemisch erklären, wie Aspirin genau wirkt.

Schon die alten Römer wussten aber genauso wie wir: Vorher Kopfweh, dann passiert irgenwas (in der Blackbox), und dann ist das Kopfweh eben weg.

Also vertrauen wir auf dieses Wissen um das Vorher und das Danach.

Und ich glaube, liebe Schwestern und Brüder, dies ist auch der Schlüssel für uns: Deshalb feiern wir Pfingsten, auch heute morgen, auch hier bei uns in dieser Gemeinde Hl. Geist, die sogar den Namen trägt.

Dass Gott Hl. Geist ist, dass wussten die Jünger als fromme Juden auch schon vor Pfingsten: Schon im Schöpfungsbericht, den wir in der Osternacht gehört haben, heisst es: Gottes Geist schwebte über den Wassern. Die Jünger wussten wie wir auch um die Propheten, die der Geist Gottes geradezu gepackt hatte, so dass sie mutig, gelegen oder ungelegen, Botschafter Gottes wurden.

Und wir wissen um die Apostel, die kleingläubig zuvor nun an Pfingsten über sich hinauswachsen.

Aber wir wissen noch mehr: Denn ich bin sicher, wir alle hier heute morgen haben schon solche Momente des Vorher und Danach erlebt.

Das Schlüsselwort ist auch für uns: Vertrauen. Keiner von uns war damals in Jerusalem dabei. Aber wir haben das Zeugnis von denen, die dabei waren und die glaubwürdig berichten, da hat sich was verändert. Aus mutlosen und feigen Gesellen werden mit Mut erfüllte Zeugen des Glaubens.

Eigentlich doch ein wunderbar hoffnungsvoller Text für unsere zur Zeit ziemlich mutlose Kirche, oder?!

Die Gründe dafür, warum unsere Kirche oftmals so mutlos, so ohne Feuer, ohne Sturmesbrausen, ohne Power ist, sind sicher vielfältig.

Ein Grund dürfte aber sein, dass wir das, wofür die 50 Tage zwischen Ostern und Pfingsten stehen, nicht haben: Das gemeinsame, ehrliche Ringen um die Osterbotschaft mitten in unserem Galliläa, also in unserem ganz alltäglichen Leben!

Wir sprechen viel zu wenig darüber, was unseren Glauben ausmacht!

Wir drücken uns um eine ehrliche Antwort auf die Frage: Was bedeutet das denn heute, im Jahr 2011 hier in Hl. Geist, mitten in Würzburg als Christ zu leben? Und zwar: ganz praktisch!

Wir verfallen sofort in Panik, sobald jemand auch nur eine kritische Frage stellt.

Wir reden viel von Dialog-Initiativen; und dann, wenn’s zur Sache geht, trauen wir dem Gottesgeist, diesem Sturmesbraus, nicht so-viel zu!

Dabei gibt es Pfingsten doch auch hier bei uns: Wir spüren sie doch, die Momente, wo wir – dieses eine Sprachspiel sehen Sie mir bitte nach – ziemlich ausgebrannt und ausgepowert sind, und wo uns auf einmal, trotz „burn out“, das Feuer neuer Kraft von außen von irgendwo her zukommt!

Von irgendwo her? Nein, nicht von irgendwo! Von Gott her! Woher denn sonst?

Wie spüren sie doch die Erfahrungen von Geliebtwerden und Lieben zu dürfen – die uns oft genug einfach so zufallen, ein Geschenk Gottes, in einem anderen Menschen!

Ja, selbst in den trostlosesten Zeiten erleben wir doch die Menschen, die trotz Zittern und Zagen, an Orten und mit Menschen, die so gar nicht passend zu sein scheinen, etwas von diesem Sturm der Hoffnung weitergeben, der das Schiff der Kirche seit knapp 2000 Jahren voran treibt!

Das feiern wir heute an Pfingsten! Ein Feuer, das auch nach 2000 Jahren nicht erloschen ist!

Ein Sturm der Hoffnung, der immer wieder auflodert!

Eine neue Gemeinschaft, die Kirche, die alle Völker und Sprachen umfasst! Versammelt im Bekenntnis zu Jesus Christus, dem auferstandenen Herrn, der jetzt, in seinem Geist, mitten unter uns ist!

So kraftvoll und lebendig, mit so viel Power – wie vor 2000 Jahren!

Amen.

 

 

 

 
Pfingstgottesdienst Heilig Geist 2011

 Bilder von diesem Gottesdienst mit Beteiligung der Äthiopischen Gemeinde finden Sie hier (bitte anklicken) Es werden noch weitere Bilder eingepflegt.

 
Pfingsten Entzünden der Kerze Heilig Geist 2011