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Pfarreiengemeinschaft Dürrbachtal  > Predigten

Ökumenischer Gottesdienst - Bund Naturschutz im Dürrbachtal

am 10.7.2011

Pfarrer Rügamer
Predigt von Pfarrer Helmut Rügamer

 

 

Liebe Mitglieder in der Ortsgruppe des Bund Naturschutzes!

Liebe Christen!

Wer hätte das gedacht vor einem halben Jahr: Die Bundesregierung und viele andere Verantwortungsträger haben den Ausstieg aus der Atomkraft bewerkstelligt. Alternative Energien und die Nutzung der sogenannten nachwachsenden Rohstoffe haben nun wirklich Priorität. Ist das ein Grund ungetrübt zu feiern?

Zu feiern auf jeden Fall! Es geht ja darum, dass wir die Risiken nicht immer nur verharmlosen. Der GAU - so hieß es ist ja so unwahrscheinlich, dass keiner von uns ihn je erleben wird. Und dann wurde er plötzlich Wirklichkeit - nicht in Deutschland, sondern in Japan, aber was da geschah, hat uns alle berührt. Der Tsunami war schon schlimm genug, zusammen mit dem Erdbeben, die Verwüstung, die Toten, und was wir uns nur denken können: Was in den Seelen der Menschen zerbrochen ist! Womit sie noch Jahre und Jahrzehnte kämpfen müssen!

Aber dann kam noch die Atomkatastrophe hinzu. Die Verstrahlung, die Angst einem unsichtbaren Feind gegenüber zu stehen, gegen den es überhaupt keinen Schutz geben kann! Plötzlich wurde Wirklichkeit, was nicht passieren konnte. Und im Laufe der Tage und Wochen wurden immer mehr Mängel bekannt. Wie sicher ist das Ganze, fragen wir uns! Kann man das eigentlich verantworten?

Am Anfang des Gottesdienstes wurde auch gesagt: Können wir denn etwas dagegen tun? Oft haben wir genau diesen Eindruck; Wir können nichts tun. Aber ist das nicht wie bei dem, der sein Talent vergräbt, aus Angst heißt es im Text. Aus Kleinglauben ist das bei uns: Ich kann ja doch nichts tun! Aber stimmt das wirklich? Ich denke mir, dass jeder von uns zwei oder fünf Talente hat. Es ist unser Auftrag damit zu wirtschaften, d.h. uns entsprechend zu verhalten.

Ich möchte dies noch ein wenig zuspitzen: Bei aller Bereitschaft zum Energiesparen auf unterer Ebene beobachte ich, dass doch viele noch so leben, als stünde alles im Überfluss zur Verfügung: Da wird nach wie vor sehr vieles mit dem Wagen erledigt: Wie viele fahren z.B. nur 400 Meter zum Bäcker, um Brötchen zu holen. Auch ich bin manchmal zu bequem, um meine Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen. Das andere, was ich beobachte, ist auch das private Verhalten in den Häusern: Da wo früher nur einzelne Räume geheizt wurden und man doch noch warm angezogen sich bewegte. Ich denke da z.B., dass wir zu Hause bei den Hausaufgaben durchaus einen Pulli anhatten. Da müssen heute alle Räume geheizt werden und auch noch so, dass man in kurzen Hosen und T-Shirt herumlaufen kann. Sicher unsere Häuser mit den Zentralheizungen lässt uns nicht zurückkehren zu früheren Zuständen. Das würde nur hohe Reparaturen bedeuten und einen vermehrten Energieaufwand. Aber ein Umdenken im persönlichen Lebensstil werden wir noch viel stärker brauchen: Ich zähle auf: Brauchen wir wirklich für alles elektrische Geräte (Zahnbürste, Rasierapparat, mehrere Fernsehgeräte im Haushalt usw.) Müssen wir immer so hoch heizen, dass wir leicht bekleidet im Haus sind? Muss ständig im ganzen Haus das Licht brennen? Auch Energiesparlampen haben umweltbelastende Stoffe in sich! Müssen wir jeden Gang mit dem Auto erledigen?

Auch Biosprit wird z.T. aus Lebensmitteln gewonnen, während gleichzeitig viele Menschen hungern. Das gleiche Problem sehe ich etwa darin, dass die landwirtschaftlichen Flächen bei uns mit Solaranlagen gespickt werden, und zur gleichen Zeit der Amazonaswald gerodet wird, um für die Europäer Fleisch und andere Lebensmittel zu produzieren.

Sicher werden wir noch genug Phantasie entwickeln um wirklich umweltverträglich in der Zukunft zu leben.

Der Satz „Ich habe noch fünf oder zwei Talente dazugewonnen“ darf nicht interpretiert werden in dem Sinne, dass unser Lebensstandard noch weiter steigen soll, und dass dies auch das Ziel ist. Es wird meiner Meinung nach immer offensichtlicher, dass dieser Lebensstandard nie und nimmer auf der ganzen Welt erreicht, geschweige denn erhalten werden kann. Dies würde unausweichlich zur Zerstörung der gesamten Ökologie führen. Einen Lebensstandard aber nur für einen Teil der Weltbevölkerungen hoch zu halten, der auf Kosten der übrigen Menschen nur zu halten ist, bedeutet aber eine große Ungerechtigkeit, die wir vor Gott nicht rechtfertigen können.

Vielleicht bringt uns ja der Ausdruck „Talente“ auf die richtige Spur. Bedeutet das Wort taläntos noch im Urtext des NT einen bestimmten Geldbetrag, so wird er bei uns im Sinne von Begabungen, Fähigkeiten gebraucht. Gott hat uns diese geschenkt, damit wir mit ihnen wirtschaften, d.h. sie gebrauchen, einbringen, etwas aus ihnen machen. Die Erfahrung ist: dann wachsen sie. Wir werden noch sicherer darin, wenn wir etwas unternehmen. Und wenn wir unsere Talente einbringen, um kreativ Lösungen für eine tragfähige Zukunft, d.h. auch Energiepolitik zu suchen, werden wir mit der Zeit immer findiger.

Und dann ist es gut, wenn wir auch unsere Stimme erheben, wenn es um politische Entscheidungen geht. Herr Horstmann hat dies ja schon gesagt.

Freuen wir uns über das Erreichte und wuchern wir weiter mit unseren Talenten.