Predigt zum Kirchweihfest am 6.11.20111. Kor. 3,9-11.16-17
von Pfarrer Wenzel
Diözese
denkt über den Abriss von Kirchen nach. Was in anderen Bistümern
wie z.B. in Essen im Ruhrgebiet oder in Aachen schon länger eine
traurige Realität ist, wird jetzt auch in unserem Bistum Würzburg
Wirklichkeit. Die Kirche in Himmelstadt wurde vor kurzem abgerissen.
Weitere werden folgen. Finanzielle Gründe der Unterhaltung und der
massive Rückgang von Gottesdienstbesuchern machen diese schmerzliche
Entscheidung notwendig. Wie können wir auf diesem Hintergrund
dennoch heute das Kirchweihfest unserer Kirche feiern ? Kein
geringerer als der Apostel Paulus möchte uns dazu ermutigen, wenn er
in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth schreibt: „ Ihr seid
Gottes Bau...wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der
Geist Gottes in euch wohnt ? Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird
Gott verderben. Denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr.“
Paulus
vergleicht seine Gemeinde in Korinth mit dem Bau eines Hauses. Es ist
nicht irgendein Haus, sondern das Haus Gottes, der Tempel. Nachdem
Paulus die Gemeinde gegründet hat, sieht er sich als Bauherrn. Das
Fundament des Baues, auf dem alles ruht, ist Christus. Die Gemeinde
ist der Tempel Gottes. Der Tempel in Jerusalem war zur Zeit des
Paulus der heiligste Ort für die Juden. Ihn zu betreten, heißt Gott
selbst näher zu kommen.
Wenn
Paulus die Gemeinde in Korinth mit dem Tempel Gottes gleichsetzt, so
ist dies ein Bild von ungeheuerer Sprengkraft. Wie kann ein Mensch
die Wohnung des allerhöchsten Gottes sein ? Paulus will sagen: Wenn
ihr euch zu Christus bekennt, so habt ihr seit eurer Taufe eine
besondere Würde. In euch wohnt gleichsam Gott. Deshalb sollt ihr
heilig leben wie Gott. So könnt ihr ein Bild Seiner Gegenwart in der
Welt werden. Paulus ahnte damals schon, dass dieser Anspruch ein
hohes Ideal ist. Auch heute fällt es vielen Menschen schwer, die
Kirche oder gar sich selbst als einen Ort der Gegenwart Gottes
wahrzunehmen. Für viele Zeitgenossen ist die Kirche altmodisch und
für ihr Leben bedeutungslos. Folgerichtig betreten sie Kirchenräume
wie Museen und nehmen Gottesdienste nur noch als Folklore oder
Konzertveranstaltungen wahr. Andere kritisieren den äußeren Prunk
vieler Kirchen, der nichts mehr mit dem Leben und der Botschaft Jesu
zu tun habe. Die Kirche hat heute an Glaubwürdigkeit und Autorität
verloren, besonders seit der Aufdeckung von Missbrauchsskandalen in
kirchlichen Einrichtungen und Klöstern. Dabei wird deutlich, dass
letztendlich die Kirche immer aus sündigen Menschen besteht, die das
Bild Gottes in ihr und in sich verstellen und beschädigen. Trotzdem
bleibt es gerade für die heutige Zeit die wichtigste Aufgabe der
Kirche, den Menschen einen äußeren und inneren Raum zu geben: einen
Raum, in dem jeder Mensch Mensch bleiben kann oder überhaupt erst
Mensch werden kann. Einen Raum, in dem sich alle willkommen und
angenommen fühlen:
Die
Sünder wie die Frommen, die Gescheiterten wie die Suchenden, die
Andersdenkenden wie die Anderslebenden, die Gläubigen wie die
Atheisten.
Einen
solchen Raum kann man nicht abreißen und zerstören, denn er steht
fest auf dem Fundament unseres Glaubens an Gott und an Jesus Christus
und unter dem Dach unserer Liebe zu den Menschen.
Amen.
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