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Pfarreiengemeinschaft Dürrbachtal  > Aktuell  > ..Fastenzeit u. Ostern

 Geistliches Wort  zur Fastenzeit

 

Fastenzeit

trau dich, neu zu werden,

 

mack marion
als Kind fand ich es immer sehr traurig, wenn der Fasching zu Ende ging und mit dem Aschenkreuz eine so ernste Zeit begann. Heute bin ich froh darüber, dass es vom Kirchenjahr her alljährlich eine solche Zeit gibt, in der wir ein einfacheres und alternatives Leben einüben können.

 

Als Jesus einmal gefragt wird: „Warum fasten deine Jünger nicht, während die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer fasten?“ antwortet er spontan mit einer Gegenfrage: “Können denn die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? (Lk 2,19)

Mir scheint, dass Jesus hier ein sehr genaues Gespür dafür hat, was dran ist. Und das möchte ich Ihnen für die kommende Fastenzeit ans Herz legen: „Spüren Sie ganz genau nach, was für Sie dran ist!“ Alles Aufgesetzte und Überzogene wird sie nicht glücklich machen. Es geht darum, in der Fastenzeit für sich selber das richtige Maß zu finden.

 

In der Bibel fasten große Gestalten, um innere Tiefe und Reifung zu finden und sich für die Begegnung mit Gott und den Menschen bereit zu machen.

In Ex 34,28 fastet Mose allein auf dem Berg Sinai. 40 Tage lang soll er weder Brot noch Wasser zu sich genommen haben. Danach offenbarte Gott ihm die Zehn Gebote.

Der Prophet Elija hört im Säuseln eines Windhauchs Stimme und Auftrag Gottes, nachdem er 40 Tage lang ohne Nahrung durch die Wüste wanderte (1 Kön 19,8).

Auch Jesus geht in die Wüste, um zu fasten, bevor er den Menschen seine Botschaft vom nahen Reich Gottes verkündigt (Mt 4,1).

 

Demnach kann auch für uns die Fastenzeit zu einer Zeit der Selbstfindung, der inneren Orientierung und Ordnung des eigenen Lebens, der Reifung und ganzheitlichen Erneuerung sowie zu einer Zeit der Gottsuche werden.

Es geht also nicht unbedingt um weniger, sondern um

· mehr Tiefe,

· mehr Lebensqualität,

· mehr Zeit für Gott, den Nächsten und uns selbst.

 

Fastenzeit kann zur Übungszeit werden, die hilft, kleine Schritte auszuprobieren hin auf ein anderes Leben.

So sind Sie heuer herzlich zu einer Heilfastenwoche eingeladen, die zum ganzheitlichen Heil von Leib und Seele beitragen will.

 

Wer es gerne weniger radikal probieren will, dem seien ein paar Tipps von Bruder Paulus ans Herz gelegt. Für ihn ist Fastenzeit eine „Trau-dich-Zeit“ (aus: Bruder Paulus Terwitte, Marcus C. Leitschuh: Trau dich, 40 Tage anders zu leben. Der Fastenkalender. Verlag Herder, 2006.)

 

· Trau dich: Im Treppenhaus grüßen

Für einen Moment kommt man sich näher. Der eine senkt wie beschämt den Kopf. Doch ich will heute  der andere sein.Ich sehe meinen Nachbarn an. Seine Augen sind lebendiger, als ich dachte. Mit einem frohen Gruß hellen sich unser beider Gesichter auf.

 

· Trau dich: Vorne sitzen

Die hinteren Sitzplätze in der Kirche werden schnell besetzt. Ich traue mich, zu Beginn der Karwoche einen mutigen Schritt nach vorne zu tun. Mein Blick fällt auf Jesus; er hat sich mutig gezeigt. Ich bekämpfe den Gedanken, was andere über mich denken könnten. Ehrlichen Herzens will ich heute vorn dran sein bei der Palmprozession und im Gottesdienst.

 

· Trau dich: Politiker ansprechen

Die Volksvertreter arbeiten auch für mich im Stadtrat. Ich traue mich, einen Telefontermin für ein Gespräch mit einem von ihnen zu vereinbaren. Zur Vorbereitung fertige ich eine Liste von Themen an und entscheide mich am Ende für zwei, die ich ansprechen will. Ich mache mich bereit, von ihm zur Mitarbeit eingeladen zu werden.

 

· Trau dich: Trauernde ansprechen

Ich traue mich, mir heute Zeit für einen Trauernden in meiner Umgebung zu nehmen. Alle Einwände wie etwa „Ich kenne ihn doch nicht so gut!“ oder „Ob er das wirklich will?“, weise ich zurück. Im Blick auf das Kreuz nehme ich mir heute vor, der Trauer und dem Tod den ihnen gebührenden Platz zu geben.

 

· Trau dich - mit Sekt anstoßen

In den Kellern der Winzer lange gereift, wurde der Wein zu einer perlenden Kostbarkeit. Auch wenn man in der Fastenzeit auf Genussmittel verzichtet – der Sonntag bleibt die wöchentliche Feier von Ostern. Deshalb ist es erlaubt, dass ich heute etwas Besonderes genieße.

 

Und noch ein von mir ergänztes

 

· Trau dich - Dir Zeit für Gott und dich selbst zu nehmen

Oft bleibt im Tag kaum Zeit, zur inneren Ruhe zu kommen und in die Tiefe zu kommen. Ich traue mich,  immer öfter auch mal „nein“ zu sagen und jeden Tag eine „Heilige Zeit“ in meinem Kalender einzuplanen. Ich überlege ganz bewusst, wie ich sie füllen kann: mit schöner Musik, mit einem Spaziergang in der Natur,

mit Meditation und Stille, mit Lesen in der Bibel oder einem guten Buch, mit Gebet oder auch mit seligem Nichtstun...

 

So wünsche ich Ihnen, dass die kommende Fastenzeit für Sie wirklich zu einer ganz-heitlichen Zeit für Leib und Seele wird. Mögen Sie in Ihrem ganz konkreten Alltag auferstehen zu neuem Leben.

 

 

 

In diesem Sinne wünschen wir allen Mitchristen

in unserer Pfarreiengemeinschaft

ein frohes und gesegnetes Osterfest.

Ihre Pastoralreferentin Marion Mack,

zusammen mit Pfarrer Rügamer und

Pastoralassistentin Christine Steger.