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Pfarreiengemeinschaft Dürrbachtal  > Archiv  > Advent im Dürrbachtal 2009

Gedanken zum Advent

"Siehe kommen wird der Herr.."

Kleine Einführung in die Adventszeit von Dr. Martin Stuflesser, Würzburg


Was feiern wir eigentlich, wenn wir Advent feiern? Allenthalben begegnen uns doch jetzt schon in den Supermärkten Lebkuchen und Spekulatius, und wenn wir Christen sagen, wir feiern Advent,dann sind um uns herum schon überall Weihnachtsmärkte, Weihnachtsmänner,Weihnachtsmusik: Was soll da noch eine eigene Adventszeit?

Zunächst ist festzuhalten, dass es eine eigene Adventszeit eigentlich nur im Abendland gibt und dass sie der sehr viel älteren Vorbereitungszeit auf Ostern, der österlichen Bußzeit/Fastenzeit, nachgebildet ist. Die Adventszeit hat dabei zwei Ursprünge, die sich heute noch in den Texten, die wir in der Messfeier hören,deutlich erkennen lassen: einen römischen Ursprung und einen gallischen Ursprung.

Seit dem 5. Jahrhundert wird bei der ein bis dreiwöchigen Vorbereitung auf Weihnachten in Rom die Mensch-

werdung Gottes inhaltlich hervorgehoben, also der theologische Gedanke der Inkarnation: Gott wird zu unserem Heil in Jesus Christus Mensch! Das bedeutet zugleich eine marianische Prägung, eine Betonung also der Bedeutung der Mutter des Herrn in der Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk (vgl. etwa am 8. Dezember: das Fest der Erwählung Mariens).

In Gallien hingegen entwickelt sich die Liturgie seit dem 6. Jahrhundert unter dem Einfluss des gallisch-irischen

Mönchtums etwas anders als in Rom. Dort beginnt eine sechswöchige Vorbereitung auf das Weihnachtsfest mit dem Martinstag am 11. November. Dort hat die Adventszeit als Vorbereitungszeit auf Weihnachten eine eschatologische/endzeitliche Prägung: Das drohende Weltgericht wird betont und somit die anbrechende Endzeit. (Daher übrigens auchdas große Schlemmen am St. Martins-Tag bevor die „Fastenzeit“ der sechs Wochen der Vorbereitung auf Weihnachten anstand. )

Im Mittelalter nun durchdringen sich diese beiden Aspekte: der Gedanke der Menschwerdung und der Gedanke des endzeitlichen Weltgerichts vermischen sich. Dabei setzt sich erst 1570, also relativ spät, der römische Brauch der vier Adventssonntage im ganzen Abendland durch.

Noch jünger ist übrigens der Brauch des Adventskranzes: er entstammt der lutherischen Tradition und ist erst im 19. Jahrhundert in Hamburg entstanden. Dort hatte er ursprünglich 24 Kerzen, 4 große Kerzen für die Sonntage und 20 kleine Kerzen für die übrigen Tage des Advent. Mittlerweile hat sich als eine schöne und sinnvolle, ökumenische Tradition der grüne Kranz mit 4 Kerzen für die 4 Adventssonntage fast überall durchgesetzt.

Heute feiert die Kirche im Advent eine zweifache Ankunft des Herrn: Seine Ankunft bei den Menschen und seine Ankunft am Ende der Zeiten.

Nach der Neuordnung der Liturgie des Advent durch das II. Vatikanische Konzil lassen sich innerhalb der Adventszeit deshalb auch zwei Abschnitte unterscheiden, die beide ihre eigene Bedeutung haben, wie sie auch in den fünf Präfationen für diese Zeit zum Ausdruck kommt.

Vom ersten Advent bis zum 16. Dezember heben die Texte den endzeitlichen, eschatologischen Charakter heraus: „Wenn er wiederkommt im Glanz seiner Herrlichkeit, werden wir sichtbar empfangen, was wir jetzt mit wachem Herzen gläubig erwarten.“ (Adventspräfation I). Weitere Themen sind das Warten auf den Herrn einst und heute (Adventspräfation II), die Geschenke des kommenden Herrn (III), Adams Sünde und Christi Gnade (IV) sowie für die Zeit vom 17. bis 24. Dezember die Nähe des Herrn (V).

Im Gegensatz zu früher gilt der Advent nicht mehr als bloße Bußzeit, vielmehr als Zeit freudiger Erwartung. Dies unterstreichen die Lesungen aus dem Buch des Propheten Jesaja, mit ihren starken biblischen Bildern: Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein neues Licht – neue Hoffnung wird den Menschen geschenkt in der Ankunft des Herrn und Erlösers Jesus Christus.

In den sogenannten Rorate-Messen, die auch wir in unserer Pfarreiengemeinschaft im Advent im Dunkel bei Kerzenschein feiern, singen wir deshalb: „Rorate caeli desuper et nubes pluant iustum!“(„Tauet ihr Himmel von oben, ihr Wolken regnet den Erlöser herab.“ Jes 45,8). Wir bringen so unsere Sehnsucht nach der Ankunft des göttlichen Erlösers zum Ausdruck, und wir besingen unsere Vorfreude über sein Kommen in unser armes

Fleisch.

Diese Vorfreude gilt besonders für die letzten Tage vor Weihnachten für die es eigene Texte für Messfeier und Stundengebet gibt. Der vierte Adventssonntaghat dann mit seinen Lesungen ganz den Charakter eines Sonntags der alttestamentlichen Väter und der Mutter Gottes, die die Geburt des Herrn erwarten: das Magnifikat, der große Lobgesang Mariens, steht im Mittelpunkt.

Wenn an den Sonntagen das Gloria nichtverwendet wird, so geschieht dies aus einem anderen Grund als in der österlichen Bußzeit: Der Gesang der Engel auf dem Hirtenfeld, das Gloria, soll eben Weihnachten wieder wie eine neue Botschaft erklingen.

 

 

(entnommen aus Pfarrbrief Weihnachten 2009)